Versuchsballon Zypern

Zypern ist nur der Testlauf
von Henrik Voigt, Chefredakteur Dax Profits

Lieber Herr wiemer, seit der gestrigen „Rettung“ Zyperns vor der Staatspleite mittels Enteignungen der dortigen Sparer ist klar: die „Euro-Retter“ gehen endgültig über Leichen. Und Sie haben Zugriff auf jedes Bank-Konto in Europa. Nur scheinbar trifft es mit einer Bemessungsgrenze von 100.000 Euro nur die wohlhabenderen Sparer. Diese Regelung, die wohl zur Vermeidung eines sofortigen europaweiten Bankensturm getroffen wurde, ist erst der Anfang.

Denn wenn diese Sparer – dazu gehört auch fast der gesamte zypriotische Mittelstand einschließlich Firmenkonten – plötzlich um bis zu 40% seines Vermögens beraubt wird, dann hat das erhebliche konjunkturelle Auswirkungen. Unternehmen können dann weder Gehälter zahlen noch Rechnungen begleichen, Privatleute schrauben ihren Konsum auf das Nötigste herunter. Zypern befindet sich bereits in einer Rezession. In den nächsten 5 Jahren dürfte die Wirtschaft nun nochmals um 20 Prozent schrumpfen. Wie in dieser Situation die Staatspleite ohne neue Gelder von außen noch abgewendet werden soll, ist mir absolut schleierhaft.

Zypern ist das Modell für Europa

Wenn Sie nun denken, Zypern ist weit weg: weit gefehlt. Ganz bewusst wurde diese in der Tat eher unbedeutende Volkswirtschaft in Europa ausgewählt, um einen Feldversuch zu starten, der Modellcharakter zunächst für andere Länder mit großem Banksektor (Luxemburg, Slowenien, Malta) oder hohen Staatsschulden (Portugal, Spanien, Italien) hat.

Und am Ende wird es auch Deutschland treffen, das über den ESM bis zum Hals mit in diesem Sumpf steckt. Bundesfinanzminister Schäuble hat am Sonntag erklärt, dass auch die deutschen Sparguthaben nur solange sicher sind, solange kein Euro-Land pleitegeht. Und Jeroen Dijsselbloem, der Chef der Eurogruppe, machte gestern in aller Deutlichkeit klar, dass der Bailout für Zypern eine Vorlage für künftige Banken-Bailouts in der EU sei. Banken sollen künftig nicht mehr mit Steuermitteln gestützt werden, sondern es sollen „Aktionäre und Gläubiger zur Rekapitalisierung der Bank beitragen und wenn nötig auch die nicht-versicherten Kontoinhaber“.
Mit dieser Aussage dürfte er einen europaweiten Bankensturm und nie dagewesenen Kapitalabzug ausgelöst haben. Denn eines ist jedem Sparer, jedem Investor, jedem Unternehmen jetzt klar: das Geld ist in Europa nicht mehr sicher. Eine von Niemandem gewählte Troika aus Funktionären von EU, IWF und EZB greift ohne jede Rechtsgrundlage direkt nach den Bank-Konten der EU-Bürger und Unternehmen.
Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis man in Brüssel auf die Idee kommt, neben den Bankkonten eine allgemeine Vermögensabgabe einzuführen, die dann auch alle anderen besteuerbaren Vermögensteile betrifft. Diesbezügliche, üblicherweise teure Studien diverser Banken und Beratungsunternehmen liegen bereits seit Jahren vor, die Pläne dazu existieren in der Schublade.

Dazu füge ich das bereits mehrfach erwähnte Juncker(Vorgänger Dijsselbloem)-Zitat an:

„Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, ob was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter, Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.“

Und ich erinnere an den ersten, bereits realisierten und später zurückgenommenen Versuch (Blockierung) vor einer Woche:
6,75% auf Guthaben bis 100 000 € und 9,9% auf Guthaben > 100 000 €.

Und ich erinnere an die Zeitverschleppung, die es Großkunden der beiden großen Banken in den ausländischen Zweigstellen (England, Rußland) ermöglicht, uneingeschränkt Kapital zu verlagern. Diese Möglichkeit haben freilich normale Zyprioten nicht.

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