Europawahl 12

Die klassische griechische Demokratie dient heute durch Verfälschung als Beruhigungspille und Alibi für das Volk.

Es beginnt mit der Übersetzung.
Demokratie heißt nicht Volksherrschaft, sondern Dorfherrschaft. Das hat auch eine logische Bewandnis.

Der Dorfälteste wurde nicht gewählt, sondern bestimmt als der Fähigste zur Interessenvertretung des Dorfes. Kam er seiner Aufgabe nicht genügend nach, entstand Unzufriedenheit, es wurde ein anderer bestimmt. Das war in einer relativ kleinen Gruppe (Dorf) schnell erkennbar durch die herrschende Transparenz einer relativ kleinen Menschengruppe. Deshalb waren in der Dorfherrschaft auch keine Wahlen notwendig.

Mit der Entwicklung von der regionalen Demokratie (Dorf) zur nationalen Demokratie (Volk) war die entsprechende Transparenz nicht mehr aufrecht zu halten. Es wurden Wahlen eingeführt, obwohl der einzelne Wähler mangels Transparenz nicht mehr in vollem Umfang einschätzen konnte, wie der Kandidat seine Aufgaben ehrlich und gewissenhaft erfüllt hatte oder erfüllen würde. Systemdienlich bei diesem Wahlsystem war die Gauß’sche Verteilungskurve, die treffend die Wahlbefähigung eines Wahlvolkes (80% manipulierbare Masse) darstellt.

Im Medienzeitalter kann sich nun eine Regierung mittels Medien-Propaganda ein ihr genehmes Wahlvolk neu schaffen. Ich erinnere an den substanzlosen Bundestagswahlkampf 2013 (Kanzlerkette, Fahrradkette oder Alternativlosigkeit) und an die entsprechenden Wahlergebnisse.

Ich empfinde den  Aufruf des ansonsten sehr geschätzten Andreas Popp zum Wahlboykott aus drei Gründen als nicht hilfreich:
1. Trotz intensiver Suche habe ich in deutschen Gesetzen keine Mindestwahlbeteiligung gefunden, bei deren Unterschreitung eine Wahl als ungültig erklärt werden müßte.
2. Wahlboykott führt statistisch automatisch zu einer Stärkung der Etablierten, die sich ja schließlich selbst wählen. Deren gegebene Anzahl führt bei Wahlboykott automatisch zu einem höheren Wahlergebnis. Bei 1000 Wählern entsprechen 100 Etablierte gleich 10%, bei 10 000 Wählern entsprechen 100 Etablierte nur noch 1%.
3. Die Wahl alternativer Kandidaten schwächt nicht nur die Etablierten, sondern stärkt auch alternative Kandidaten. Zwar wird daraus auch noch keine Ideallösung, aber im Mindesten ein geringeres Übel, das auf gesellschaftliche Veränderung drängen kann.

Wenn auch das System inzwischen schon pervers genug geworden ist, – im Zusammenhang mit aktuell zunehmender Kriegsgefahr (Ukraine) und der unrühmlichen Rolle der EU-Technokraten dabei als „Diener“ der USA, gilt mehr als bisher der Grundsatz: „Wehret den Anfängen!

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