Dummes Volk

Der deutsche Michel ist, im 19.Jahrhundert von Carl Spitzweg trefflich dargestellt, auferstanden. In seinen Bildern karikierte er die Sehnsüchte des Kleinbürgertums. Ähnliches halten uns die Medien aktuell, wie in einem Spiegel, vors Gesicht.

Da werden die Kanzlerkette oder der Stinkefinger im Wahlkampf zum beherrschenden Thema, so als gäbe es nichts Wichtigeres.

Vergleicht man Wahlergebnis mit dem themenlosen Wahlkampf, dann steigt mir schon die Schamesröte über soviel Dummheit ins Gesicht.

Den Gipfel aller Volksverdummung stellt aber das seit Wochen zelebrierte Kasperletheater von Sondierungs- und Koalitionsgesprächen dar. Die Marionetten der Macht produzieren sich in allen unheilvollen Facetten, wie sie wollen und, weil sie ungestraft gelassen werden, von uns Dummen und Einfältigen!

Euro?, Leiharbeit?, Bildung?, Gesundheit? oder Steuer?, alles kein Thema???

„Nichts ist verhandelt, bevor alles verhandelt ist“ – das ist der Gipfel der Volksverdummung, die wie bei Spitzweg demütig zur Kenntnis genommen wird.

Zum Ende wird sich ein Füllhorn von Vereinbarungen über den armen Michelkopf ergießen, der jegliches ordnendes und vernünftiges Verständnis wohl kalkuliert verhindert.

Dabei besteht die seltene Chance, mit einer 2/3 Mehrheit z.B. die überlebte und unsoziale Steuergesetzgebung wahrhaftig zu reformieren, zum Wohle der Mehrheit. Aber daran hat sich wegen fehlendem Marionetten-Willen schon einmal ein Heidelberger Professor (Kirchhoff) die Zähne ausgebissen.

Die Krux liegt in der Steuergesetzgebung darin, daß man gar nichts ändern muß, um Besitzbewahrung und die Umverteilung von fleißig nach reich weiter führen zu können. Bei dem Wahlergebnis sind Änderungsabsichten auch gar nicht zu erkennen, geschweige denn formuliert.

So steigt die Steuerlast wegen der Progression in allen Verdienstklassen stets schneller als das Einkommen!  Beispiel:

Wer                                                Lohn, brutto                   Lohn            Steuer
– eine ledige Verkäuferin                 2000                                + 3%            + 6,5%
– ihr verheirateter Chef                   3500                                + 3%            + 7,4%

Bei unveränderten Steuer-Freibeträgen, trotz Kostensteigerung, sahnt der Staat heimlich ab, besonders eklatant bei Werbekosten und Abschreibung.

Johann Wolfgang v. Goethe, – Faust, II.Teil (letzte Worte)
Ein Sumpf zieht am Gebirge hin,Verpestet alles schon Errungene;
Den faulen Pfuhl auch abzuziehn, Das letzte war das Höchsterrungene.

Ja, diesem Sinne bin ich ganz ergeben,Das ist der Weisheit letzter Schluß:,
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, Der täglich sie erobern muß.

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